› Figuren der »Die Kinder der Erde«-Saga› Gemeinschaften der »Die Kinder der Erde«-Saga
»Um ein Gespür dafür zu bekommen, wie meine Figuren lebten, habe ich so gut wie alle Jäger- und Sammlergemeinschaften der Welt studiert. Und zwar aus allen Erdteilen: die Inuit, die Tschuktschen, die Samen und Ainu, die Athabasken, die Dakota-, Cree- und Sioux-Indianer und die meisten anderen Urvölker Amerikas vom Pazifischen Nordwesten bis zum südlichen Florida. Ferner habe ich mich über die Ureinwohner Südamerikas, Afrikas, die Polynesiens und natürlich über die Aborigines informiert.«
Jean M. Auel
 

Der Clan
Das Volk vom Clan des Bären und von anderen Clans, die der Leser im Laufe der Serie kennenlernt, sind Neandertaler.
Neandertaler, Homo sapiens neanderthalensis oder nur Homo neanderthalensis genannt, gehören zu den ersten menschlichen Vorfahren, die außerhalb der gemäßigten Zone lebten. Unter Wissenschaftlern ist strittig, ob es sich bei ihnen um eine Unterart des Homo sapiens (also des modernen Menschen) handelt oder um eine eigene Spezies. Es gibt Erkenntnisse aus der Genforschung, die darauf hinweisen, dass wir vor mehr als fünfhunderttausend Jahren womöglich einen gemeinsamen Vorfahren mit den Neandertalern hatten. Genauso kontrovers wird die Vorstellung diskutiert, dass Neandertaler und andere frühzeitliche moderne Menschen sich womöglich kreuzten, obwohl es einige Hinweise gibt, die diese Theorie untermauern. In der Serie ist Aylas Sohn Durc (in Ayla und der Clan des Bären) ein Beispiel für eine solche Verschmelzung der Arten. Die bisher verfügbaren Erkenntnisse lassen vermuten, dass die Neandertaler etwa vor vierundzwanzigtausend bis dreißigtausend Jahren ausstarben.
Die Clanmitglieder, unter ihnen Creb, Iza, Broud und andere eingeschlossen, sind so beschrieben, wie Anthropologen es aus ihren Funden abgeleitet haben: Sie sind im Durchschnitt zwischen eins fünfzig und eins fünfundsechzig groß und haben einen kräftigen, stämmigen Körperbau. Ihre Arme und Schultern sind ausgesprochen stark. Untersuchungen der Schädel haben gezeigt, dass sie über große Gehirne verfügten und eine ausgeprägte Wölbung des Hinterkopfes sowie kräftige Kiefer bei fehlendem Kinn aufwiesen. Die charakteristische flache und fliehende Stirn ist auch der Grund, warum andere Arten den Clan spöttisch als »Flachschädel« bezeichnen. Viele Funde an Ausgrabungsorten wie La Chapelle-aux-Saints (Frankreich) und Shanidar (Irak) lassen darauf schließen, dass sich die Neandertaler um die Alten, Gebrechlichen oder Behinderten ihrer Gemeinschaft kümmerten. Sie benutzten Werkzeuge und Waffen, fertigten womöglich sogar Kunst- oder dekorative Gegenstände an und konnten in eingeschränktem Maße Feuer kontrollieren.
Überreste ihres Lebens wurden so weit östlich wie Shanidar und so weit westlich wie Wales gefunden. Die Bezeichnung »Neandertaler« geht auf das Neandertal in der Nähe von Düsseldorf zurück, wo 1856 Teile eines Skeletts gefunden wurden.
 

Die Hadumai
Über die Hadumai ist nur sehr wenig bekannt; Jondalar und sein Bruder verbringen auf ihrer Reise nach Osten kurze Zeit bei ihnen, und als Jondalar und Ayla nach Westen wandern, treffen sie auf eine Gruppe Hadumai-Jäger. Haduma, die Matriarchin der Hadumai, ist die Mutter von fünf Generationen. Als Jondalar und Thonolan den Hadumai begegnen, bittet Haduma Jondalar, der Mann für die ersten Riten ihrer Nachfahrin Noria zu sein. Haduma will, dass Noria ein Kind mit Jondalars blauen Augen bekommt; dieses Kind wäre ihre sechste Generation von Nachkommen. Die Mehrheit der Hadumai spricht keine der Sprachen ihrer Nachbarn. Nur Tamen, Hadumas Sohn, kann sich in gebrochenem, aber verständlichem Zelandonii mit Jondalar und Thonolan unterhalten. Als Jondalar und Ayla auf die Jäger treffen, ist Tamen nicht unter ihnen. Durch Pantomime und die Erwähnung von Eigennamen, erfährt Jondalar, dass Haduma seit ihrem letzten Zusammentreffen verstorben ist, und er vermutet, dass Noria tatsächlich ein Kind mit seinen blauen Augen geboren hat, so wie Haduma es gewollt hat. Aber aufgrund der Verständigungsprobleme hat er keine Möglichkeit, dies zweifelsfrei festzustellen.
 

Die Mamutoi
Ayla und Jondalar treffen die Mamutoi zum ersten Mal in Ayla und die Mammutjäger. Auel nennt sie »Die Kinder der Großen Mutter Erde, die Mammuts jagen« und sie sind ebenfalls Cro-Magnon-Menschen oder »Andere«.
Die Mamutoi leben in der Steppe östlich des Beranmeeres und verwenden alle möglichen Teile der riesigen, zotteligen Mammuts, die sie zu jagen pflegen. Sie sind in verschiedene Lager organisiert und innerhalb dieser Lager gehören sie noch unterschiedlichen Herdfeuern an. Die Herdfeuer werden mit verschiedenen Tiernamen gekennzeichnet, und die Lager heißen nach dem Herdfeuer der Lageranführer. Ein besonderes Merkmal dieser Gemeinschaft ist, dass immer ein Geschwisterpaar, Bruder und Schwester, gemeinsam ein Lager anführen. Die Nachkommen eines Mannes gehören nicht seinem eigenen Herdfeuer an, sondern gelten vielmehr als die Kinder seiner Schwester.
Sie halten alljährlich ein Sommertreffen ab, bei dem Zeremonien wie Erste Riten oder Vermählungen stattfinden sowie organisierte Jagden und Spiele. Während des Sommertreffens versammelt sich auch der Rat der Schwestern und der Rat der Brüder sowie die verschiedenen Mitglieder des Mammutherdfeuers. Dieser Begriff steht für diejenigen, die der Großen Erdenmutter dienen. Ayla wurde darin aufgenommen, als sie ein Mitglied des Löwen-Lagers wurde.
 

Die Sharamudoi
Die Sharamudoi setzen sich eigentlich aus zwei Gruppen zusammen: die Shamudoi, die an Land wohnen, und die Ramudoi, die auf Schwimmdocks leben, die am Ufer Flusses der Großen Mutter festgemacht sind. Beide Gruppen verfügen über Fähigkeiten, die perfekt auf ihre Lebensweise abgestimmt sind. Sie sind ebenfalls Cro-Magnon-Menschen oder »Andere«. Sie arbeiten zusammen, indem sie sich über Kreuz paaren. Dieses System ist nützlich und sichert ihr Überleben. Wenn ein Ramudoi-Paar beschließt, sich zusammen zu tun, dann gehen sie gleichzeitig eine Verbindung mit einem Shamudoi-Pärchen ein und anders herum. Während der kälteren Monate des Jahres kommen die Ramudoi an Land und leben mit ihren Shamudoi-Partnern oder mit anderer Shamudoi-Verwandschaft. Zum ersten Mal begegnen Jondalar und Thonolan den Sharamudoi auf ihrer Reise, die in Ayla und das Tal der Pferde beschrieben wird. Während sie unter ihnen leben, geht Thonolan eine Bindung mit Jetamio, einer Shamudoifrau ein; als sie bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes stirbt, ist er am Boden zerstört. Die Fertigkeiten, die Jondalar lernt, während er bei diesem Volk lebt, leisten ihm gute Dienste, wenn er und Ayla später auf ihren Reisen, die in Ayla und die Mammutjäger und in Ayla und das Tal der Großen Mutter beschrieben werden, große Hürden überwinden müssen.
 

Die Zelandonii
Die Zelandonii sind Cro-Magnon-Menschen, die als die ersten modernen Frühmenschen (Homo sapiens sapiens) gelten. Die Cro-Magnon-Menschen (benannt nach dem Ort, an dem die ersten Überreste dieser Art entdeckt wurden, Abri de Cro-Magnon nahe der Gemeinde Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil im Südwesten von Frankreich) existierten etwa zehntausend Jahre neben den Neandertalern. Fachleute sind unterschiedlicher Auffassung darüber, wie diese Koexistenz aussah und bis zu welchem Grade es zu Vermischung oder Kooperation zwischen diesen zwei Bevölkerungen kam. Die Cro-Magnon-Menschen waren zwischen knapp eins fünfundsechzig und eins siebzig groß, obwohl es auch Beispiele gibt, die gut eins siebzig groß waren. Im Allgemeinen sind sie kräftiger und haben größere Köpfe als die heutigen Menschen. Sie verfügen über charakteristische eckige Augenhöhlen und auffallend gerade Gliedmaßen. Es ist unmöglich auf ihre Haar- oder Augenfarbe zu schließen, aber es gibt Hinweise, dass sie hellhäutig waren.
Ayla, Jondalar und seine Familie (unter anderem Marthona, Thonolan und Folara) sind Zelandonii und werden von den Mitgliedern des Clans als die »Anderen« bezeichnet. Viele der Völker, denen Ayla und Jondalar auf ihrer Odyssee (vom Tal der Pferde bis zum Land der Zelandonii) begegnen, sind Stämme dieser Art. Die Cro-Magnon-Menschen sind Halbnomaden, die den großen Tieren folgen, die sie jagen. Es wurden Überreste von Felsunterkünften und Schutzbauten aus Mammutknochen gefunden. Die berühmte Höhle von Lascaux, die sagenhafte Felsmalereien aufweist, lässt darauf schließen, dass sie eine sehr hohe Kultur hatten und sowohl Kunst als auch das Handwerk schätzten. Diese Annahme wird auch noch dadurch gestützt, dass bei verschiedenen Ausgrabungen zur frühmenschlichen Kultur auf der Arabischen Halbinsel, in ganz Europa und zahlreiche Werkzeuge, dekorative Gegenstände einschließlich Keramik und geschickt geformte Waffen gefunden wurden – und das sogar auf dem Amerikanischen Kontinent.