Elf Fragen an Jean M. Auel
Ein Gespräch mit Jean Auel, Autorin von Ayla und das Lied der Höhlen
Es sind fast neun Jahre vergangen, seit Ayla und der Stein des Feuers erschienen. Wieso dauert es so lange, diese Bücher zu schreiben?
Darauf habe ich keine einfache Antwort, ich weiß es nicht genau. Manchmal kommt einem einfach das Leben in die Quere, dann besucht man beispielsweise die Abschlussfeier eines Enkelkindes oder lädt Freunde zu sich zum Abendessen ein. Manchmal verschleppe ich es auch und kann mich selbst nicht dazu bringen, mit dem Schreiben anzufangen. Zudem nehmen die Recherchen viel Zeit in Anspruch, sowohl die Reisen als auch die Lektüre, aber meistens habe ich Freude daran. Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet und mein Mann ebenso. Es gab Zeiten, da hatte ich einen Vollzeitjob, besuchte die Abendschule und zog fünf Kinder groß, aber das Schreiben ist die schwierigste Arbeit, der ich mich je widmete.
Wo schreiben Sie am Liebsten und wann ist Ihre bevorzugte Zeit dafür?
Als ich mit dem Schreiben anfing, arbeitete ich an einer Schreibmaschine am Küchentisch, aber als meine Kinder dann von zu Hause weg und aufs College gingen, verwandelte ich eines ihrer Zimmer in ein Büro. Jetzt habe ich ein schönes, geräumiges Arbeitzimmer mit großen Fenstern, die es mir ermöglichen, in die Ferne zu schauen. So kann ich meinen Augen immer mal wieder Erholung gönnen, denn ich arbeite am Computer.

Normalerweise schreibe ich nachts. Ich bin ein richtiger Nachtmensch. Wenn die Sonne untergeht, schaltet sich mein Gehirn erst richtig an. Oft sehe ich mir den Sonnenaufgang an und gehe erst dann zu Bett. Ich schlafe ungefähr acht Stunden von vierundzwanzig, aber ich bin ein Morgenmuffel. Selbst als ich meine Kinder großzog und einen Vollzeitjob hatte, war das Aufstehen morgens immer das Schwierigste für mich. Wenn ich muss, etwa weil wir auf Reisen sind oder ich tagsüber Termine habe, kann ich meinen Zeitplan ändern, aber das bedeutet dann, dass ich eine Weile ohne Schlaf auskommen muss. Und sobald es tagsüber keine Verpflichtungen für mich gibt und ich meinen Körper einfach seinem natürlichen Rhythmus folgen lassen kann, bin ich nachts wach und schlafe tagsüber.
 
Wie viele Entwürfe und Überarbeitungen machen Sie normalerweise?
Als ich noch auf der Schreibmaschine arbeitete, habe ich meine Texte normalerweise bestimmt ein halbes Duzend Mal überarbeitet. Jetzt, da ich am Computer arbeite, ist es schwer zu sagen. Jeden Tag, wenn ich mich ans Schreiben mache, gehe ich zunächst ein oder zwei Seiten zurück und überarbeite sie, um wieder reinzukommen. Und manchmal gehe ich auch zurück bis an den Anfang eines Kapitels, nachdem ich es fertig habe. Dann lese ich den Roman mindestens noch einmal komplett durch, bevor ich ihn abgebe, und danach normalerweise noch ein halbes Duzend Mal, um Vorschläge meiner Lektorin und Anmerkungen der Bearbeiter einzuarbeiten und den Satz zu kontrollieren. Manche Teile machen mehr Arbeit als andere. Aber ich habe nichts gegen das Überarbeiten. Dabei bekomme ich die Story erst richtig in den Griff.
 
Wer bekommt Ihr Manuskript als erstes zu lesen?
Mein Mann, aber erst, wenn ich glaube, dass es fertig ist.
 
Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?
Keines. Im Bett lese ich nicht. Normalerweise sitze ich auf einem Stuhl, meist an einem Tisch, auf dem ich das Buch ablegen kann, oder in einem Sessel mit verstellbarer Lehne und Fußhocker. Und was die Art meiner Lektüre betrifft: Ich lese kaum Romane, wenn ich selbst an einem arbeite, obwohl ich sie liebe. Das Beste an meinen Lesereisen ist, dass ich dann im Flugzeug Romane lesen kann.
 
Erinnern Sie sich an das erste Buch, das Sie je gelesen haben?
Mein Lesebuch in der ersten Klasse. Ich konnte es nicht erwarten, lesen zu lernen, und als es soweit war, sah man mich selten ohne ein Buch. Besonders gern las ich Märchen. In der Mittelstufe entdeckte ich Biografien für mich. Die erste war über das Leben von Anna Pawlowa, die russische Primaballerina.
 
Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden? Falls nicht, wann wurde Ihnen klar, dass dies die Karriere ist, die Sie anstreben?
Nein, ich habe nie davon geträumt, Schriftstellerin zu werden und hatte dahingehend keinerlei Ambitionen, bis ich mit dem Schreiben von Ayla und der Clan des Bären begann, obwohl ich schon etwa zehn Jahre zuvor mit dem Schreiben von Gedichten begonnen hatte, die aber eigentlich nicht zur Veröffentlichung gedacht waren.
 
Schreibmaschine, Laptop oder Papier und Stift?
Ein richtiger Computer mit einem großen Bildschirm, auf dem sich mehrere Seiten nebeneinander öffnen lassen, so dass ich auch Recherchen, die ich einfließen lasse, vor Augen haben kann.
 
Was haben Sie gemacht, nachdem Sie erfuhren, dass Ihr erstes Buch veröffentlicht wird?
Ich wollte es sofort allen erzählen, aber es war niemand zu Hause. Ich rief meinen Mann in der Arbeit an, aber der Anrufbeantworter sagte nur, er sei gerade nicht am Platz. Ich versuchte ein paar Freunde anzurufen. Keiner war erreichbar. Schließlich rief ich meinen Schwiegervater an, der an der Küste etwa eineinhalb Stunden von uns entfernt wohnte. Er war zwar zu Hause, doch er schien meine Begeisterung nicht wirklich zu teilen. Aber letztlich anscheinend doch. Einer seiner Nachbarn war Redakteur der Zeitung The Oregonian, und er erzählte es ihm. Am nächsten Morgen rief mich ein Reporter an, der mich interviewen wollte. Der Artikel nahm fast die ganze Titelseite der Rubrik Lebensstil ein, und mein amerikanischer Verlag, Crown, verwendete ihn dann für die Buchankündigung.
 
Was ist des beste Geschenk, das man einem Autor machen kann?
Ungestörtheit.
 
Was hat Jean Auel als nächstes vor?
Ich hatte noch keine Zeit darüber nachzudenken, aber vermutlich werde ich weiterschreiben, solange es mir möglich ist.